In Rottendorf wird die typisch fränkische Mittelwaldwirtschaft seit Jahrhunderten betrieben und gerade wieder sehr konsequent umgesetzt. Um diese Form der Waldwirtschaft besser zu verstehen, hat sich eine Delegation aus Rottendorf auf Einladung der Grünen nach Iphofen aufgemacht, wo es dazu ein Informationszentrum gibt. Der stadteigene Förster hat sich viel Zeit genommen, um ausführlich zu erklären, was für Besonderheiten den Mittelwald kennzeichnen.
Wurzeln im Mittelalter
Entstanden ist sie im Mittelalter, als Holz noch eine ganz andere Wertigkeit hatte, diente es doch als Baustoff, Heizmaterial und Werkstoff. Wer’s im Winter warm haben wollte, musste Holz machen, andere Heizmaterialien gab es kaum. Getrocknete Kuhfladen noch. Man brauchte Schnitzholz, Bauholz, wollte Fässer, Rechen oder Karren herstellen. Alles aus Mitetlwaldholz. Damit nicht jeder einfach wild irgendwas gefällt und damit den gemeinschaftlichen Wald zerstört hat, wurden Regeln erfunden.
Die Bewohner der Städte und Dörfer erhielten Holzrechte, nicht jeder, sondern freie (nicht leibeigene) Männer, die in der entsprechenden Gemeinschaft wohnten. Bald ergaben sich Probleme, etwa die Versorgung verwitweter Frauen mit Brennholz. Auch wollte man Tagelöhner vom System ausschließen. So verfiel man vielerorts auf die Idee, das Holzrecht an den Hof zu binden. Dieser musste und muss vom Eigentümer bewohnt sein. In Rottendorf gilt übrigens noch die ältere Form des personengebundenen Holzrechts.
Traditionelle Praxis
Je nach Größe des Hofes beziehungsweise der Familie wurde mehr oder weniger Holz benötigt. Deswegen teilte man den Holzrechtlern sogenannte Ruten zu, eine regional unterschiedlich definierte Größe, meist zwölf Schuh, in Würzburg vierzehn, wobei ein Schuh in etwa heutigen dreißig Zentimetern entspricht. Bis zum heutigen Tag werden die Holzrechte in der bayerischen Gemeindeordnung geregelt.
Jedes Jahr wurde dann eine Fläche ausgewiesen und den Leuten zugeteilt, auf der ausgewählte Bäume auf Stock gesetzt wurden. Die Wurzeln blieben stehen, das Holz wurde gefällt. In Handarbeit und mit überlebenswichtiger Technik, nämlich der Fallkerbe. Auch einzelne große Bäume werden geerntet. Dieses Waldstück sah im Anschluss sehr kahl aus, doch schon im nächsten Jahr haben die Stöcke wieder ausgetrieben und nach zwei Jahren war alles wieder üppig grün. Davon könnten sich die Rottendorfer selbst überzeugen.
Im Folgejahr verfuhr man mit einer angrenzenden Fläche genauso. Auf diese Weise arbeitete man sich in einem Zeitraum von zwanzig bis dreißig Jahren durch den gesamten Almendewald. Dann begann man von vorne. So kommt es, dass beispielsweise im Grasholz Eichen stehen, die jahrhundertealte Wurzeln besitzen, selbst jedoch noch recht jugendlich sind.
Übrigens besaß man nie nur ein Holzrecht, sondern immer daran gebunden auch eine Holzpflicht. Die bestand etwa darin, die Wege zu erhalten, das Holz rechtzeitig abzutransportieren oder überhaupt sein Recht auszuüben. Der Wald musste ja im Rhythmus bleiben.
Heutige Bedeutung
Welchen Nutzen hat man heutzutage davon? Schließlich handelt es sich um eine arbeitsintensive Angelegenheit! Durch die Auslichtung erhalten plötzlich Keimlinge am Boden eine Chance zu wachsen. Die Eichen mit alten Wurzelstöcken fangen nämlich irgendwann an zu schwächeln. Da ist es schön, wenn junge Bäume nachkommen, die gesund und energiegeladen sind. Auch bestimmte Tier- und Pflanzenarten erhalten so die Gelegenheit, ihre Existenz zu sichern. Das Nebeneinander lichter und geschlossener Flächen bildet ein engmaschiges System aus unterschiedlichsten Habitaten. Hierzu wird es in der kalten Jahreszeit einen Fachvortrag geben.
Der Bestand an Mittelwäldern, obwohl in Franken noch am meisten erhalten sind, ist stark, um nicht zu sagen dramatisch geschrumpft. Heute bevorzugt man Hochwälder, die leichter zu bewirtschaften sind. Um aber die alte Tradition, vor allem jedoch die ökologische Bedeutung für die Biodiversität zu schützen, fördert das bayerische Landesamt für Umwelt die Mittelwälder. Also keine Panik, wenn viel auf einmal gefällt wird, denn es schadet der Umwelt nicht, sondern unterstützt sie, davon konnte die Gruppe aus Rottendorf sich vor Ort überzeugen.

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