Überparteiliches Bündnis setzt starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen
Ochsenfurt. Mit einer leuchtend orangen Tribüne an der Furt, unzähligen Steckbriefen ermordeter Frauen und einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit haben Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und der Verein Wildwasser Würzburg e.V. einen Orange Day gestaltet und damit ein deutliches Signal gegen frauenfeindliche Gewalt gesetzt. Vor den Stufen der Furt versammelten sich weibliche und männliche Bürger und Politikerinnen aller Fraktionen, um der Opfer von Femiziden zu gedenken und für ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt zu kämpfen.

Die Initiative ging vor einem Jahr vom Ortsverband der Grünen Ochsenfurt aus, maßgeblich vorangetrieben von Teresa Müller-Ott. Der Beisitzerin im Grünen Ortsverband sind eine feministische Sichtweise und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein zentrales Anliegen. In Kooperation mit Wildwasser Würzburg e.V. entstand daraus zum zweiten Mal eine überparteiliche Aktion, der sich die SPD aktiv anschloss. Auch CSU und UWG beteiligten sich – ein willkommenes Zeichen der Einigkeit in der Kommunalpolitik. Symbolisch ausgeliehen wurde die orangene Bank des Landkreises, deren Metallschild das Hilfetelefon 116 016 bewirbt. Zwischen Pavillon und Geländer spannten sich Schnüre mit Steckbriefen getöteter Frauen, während auf den Stufen weitere orangefarbene Zettel lagen, jeder ein stummer Appell gegen das Vergessen.

„Was wir gegen Gewalt an Frauen tun können? Zuhören und den Opfern glauben, Gewalt erkennen, darüber sprechen, Haltung zeigen“, betonte Britta Huber (Grüne) in ihrem Redebeitrag. Katharina Räth (SPD) forderte konkrete Maßnahmen: „Wir brauchen mehr Frauenhäuser und sichere Schutzorte im Landkreis.“ Persönliche Einblicke gaben Charles Leineweber (Grüne) und Simone Barrientos (SPD), die über falsche Rollenmuster und die fatalen Folgen berichteten.

Ein besonderer Moment war der Vortrag von Katharina Amon (Wildwasser Würzburg e.V.), die Passagen aus Suzie Millers Me-Too-Monolog „Prima Facie“ las: „Jede dritte Frau ist betroffen – schauen Sie nach links, schauen Sie nach rechts: eine von uns.“ Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: In Deutschland erlebt jede dritte Frau körperliche oder sexualisierte Gewalt; alle zwei bis drei Tage wird eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet – weil sie eine Frau ist.

Hintergrund: Der Orange Day findet jährlich am 25. November statt und markiert den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Die Farbe Orange steht weltweit für eine Zukunft ohne Gewalt. In Ochsenfurt wurde die Aktion bewusst auf den 29. November verlegt, um die Aufmerksamkeit über den eigentlichen Gedenktag hinaus zu verlängern.
Text: Britta Huber