Welche Auswirkungen haben extreme Trocken- und Starkregenphasen auf den Weinbau in Unterfranken und wie können Gemeinden diesen Herausforderungen begegnen? Das war Thema einer Gesprächsrunde am 26.02.2026, zu der der Ortsverband der GRÜNEN ins Sportheim Thüngersheim eingeladen hatte. Prof. Dr. Heiko Paeth, Institut für Geographie und Geologie, AG Klimatologie, Universität Würzburg, und Karen Heußner, stellvertretende Landrätin und 2. Bürgermeisterin in Thüngersheim, beleuchteten das Thema aus wissenschaftlicher und kommunalpolitischer Sicht. Rund 50 Gäste, darunter der örtliche Winzerstammtisch, nahmen an der Veranstaltung teil.

Klimaexperte Paeth brachte das Dilemma auf den Punkt: „Unsere Prognosemodelle zeigen, wenn wir so weitermachen wie bisher, wird die Temperatur in den kommenden 80 Jahren um 4,4 Grad Celsius steigen.“ Selbst bei moderaten Klimaschutzmaßnahmen sei mit einem Anstieg um 2,7 Grad zu rechnen. Das im Jahr 2015 beim Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel, die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei nicht mehr erreichbar. „Es klingt paradox, aber es wird immer trockener, obwohl Starkregenereignisse zunehmen“, so Paeth. Seit 2015 sei erkennbar, dass selbst starke Regenereignisse das Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen können.
Mit den steigenden Temperaturen werde es auch mehr Hitzetage geben. „Aktuell kommen wir auf sechs bis sieben Hitzetage pro Jahr. Nach unseren Modellen kann die Zahl der Tage mit über 30 Grad bis 2100 auf 35 steigen“, so Paeth. Menschen, Tiere und Pflanzen würden dadurch großem Hitzestress ausgesetzt. Mit den Hitzetagen einher gehen sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Mit einem Anstieg bis auf 20 Tropennächte pro Jahr könne in Zukunft gerechnet werden. Bereits drei solcher Nächte in Folge bedeuteten insbesondere für ältere Menschen und Säuglinge hohe Gesundheitsrisiken, warnt Paeth.

Für den Weinbau führten die höheren Temperaturen zu verfrühten Wachstumsphasen. Laut Paeth könne sich die Vegetationsperiode der Pflanzen um zwei bis drei Monate ausweiten. Dies bedeute für die Weinbauern ein zunehmendes Risiko von Spätfrostschäden.
Für den Weinort Thüngersheim, der mit ca. 270 ha Rebfläche zu den größten Weinbaugemeinden Frankens gehört, führen die steigenden Temperaturen und der Wassermangel zu großen Herausforderungen. Paeth und Heußner skizzierten aber auch Maßnahmen, mit denen es gelingen könne, sich dem Klimawandel anzupassen. Für beide sind dezentrale Regenrückhaltebecken ein wesentlicher Teil der Lösung. Ein weiterer Aspekt ist die Bodenversiegelung, die laut Paeth die Klimaerwärmung verstärke. Hier könnten bei Neubaumaßnahmen wasserdurchlässige Flächen, z.B. Rasensteine, statt Versiegelung vorgesehen werden.
Für Heußner ist ein intelligentes Wassermanagement in der Gemeinde ein wesentlicher Aspekt. „Wir brauchen eine zeitliche „Umverteilung“ des Wasserdargebots. Starke Niederschläge im Winter müssen wir zurückhalten, um sie zur Bewässerung während der Trockenphasen im Sommer nutzen zu können.“ Das Regenwasser könnte vor Ort in den Weinbergen, wo es später benötigt werde, in Zisternen gesammelt werden. Damit würde sowohl die Überflutungsgefahr des Ortes reduziert, als auch die Kanalisation entlastet, so Heußner. Eine ihrer Aufgaben in der Gemeinde sieht Heußner darin, Fördermöglichkeiten für den Bau von Zisternen ausfindig zu machen und im Kontakt mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt gemeinsam Konzepte für ein nachhaltiges Wassermanagement zu entwickeln. Perspektivisch sei auch der Bereich Agri-PV interessant. Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen können der Energiegewinnung und gleichzeitig der Verdunstungskontrolle dienen. Heußner regte an, in einer weiteren Veranstaltung das Thema “Wasserbedarf begrenzen – Was ist im Weinbau möglich“ nochmals zu vertiefen.

