Austausch über Gewaltprävention, gesellschaftliche Verantwortung und steigende Hilfebedarfe
Am 20. Februar begrüßten die Vorsitzende vom Kreisverband Würzburg Land Jessica Hecht und die Bezirksrätin Christiana Feiler die Leiterin des Frauenhaus im SKF (Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Würzburg) Theresa Jörg sowie Renate Schüßlbauer vom Verein Wildwasser e. V. im Grünen Büro. Im weiteren Verlauf des Nachmittags folgte der Austausch mit der pädagogischen Leitung der Bahnhofsmission Würzburg, Johanna Anken und Geschäftsführer Michael Lindner-Jung. Anlass war die Übergabe von Spenden, die in den vergangenen Wochen am Grünen Büro gesammelt worden waren.
Der Verein Wildwasser e. V. ist ein Verein gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen und stellt eine Beratungs- und Informationsstelle für Beteiligte und Betroffene dar. Das Frauenhaus hingegen ist ein Schutzraum für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt bedroht sind. Die Gespräche mit Wildwasser und dem Frauenhaus machten deutlich: Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles Problem der Betroffenen, sondern ein strukturelles. Grenzverletzungen werden häufig verharmlost, Prävention und Schutzkonzepte sind zwar vorhanden, doch in der Umsetzung fehlen oft Ressourcen.
Die Folgen von Gewalt sind enorm und reichen von dauerhafter psychischer Belastung bis hin zu lebenslangen Einschränkungen. Frauen sind nicht „schwach“, sondern häufig dauerhaft erschöpft und belastet, wodurch sie auch in ihrer Weiblichkeit eingeschränkt werden. Uns als Gesellschaft gehen dadurch ihre Ideen sowie ihr Potenzial verloren. Umso wichtiger ist es, Mädchen früh zu stärken und gesellschaftliche Sensibilität zu fördern.

Diskutiert wurde zudem, dass eine stärkere Repräsentanz von Frauen in politischen Gremien dazu beitragen kann, Gleichberechtigung sowie den Schutz von Frauen und Mädchen nachhaltiger mitzudenken. Jedoch sinkt der Frauenanteil in Parlamenten derzeit und auch Bürgermeisterinnen sind nach wie vor selten. Voraussetzung hierfür sind familienfreundliche politische Rahmenbedingungen, insbesondere in den Bereichen Care-Arbeit, Familie und Pflege. Zudem werden Quoten als wichtiges Instrument gesehen, um Frauen in der Politik sichtbarer zu machen, gleichzeitig neigen viele Frauen dazu, sich aus familiären Gründen zurückzunehmen wegen, während Männer eher „durchziehen“.
Auch die Bahnhofsmission Würzburg berichtete von wachsenden Herausforderungen. Mit über 75.000 Hilfekontakten im vergangenen Jahr verzeichnete die Einrichtung einen deutlichen Anstieg. Als niedrigschwellige, rund um die Uhr geöffnete und am Bahnhof gelegene Anlaufstelle ist sie für viele Menschen erste und oft letzte Hilfestelle. Somit versteht sie sich als „Netz vom Netz“, das Menschen auffängt, die bereits durch andere Sicherungssysteme gefallen sind. Sie unterstützt unter anderem beim Zugang zu medizinischer Versorgung und baut bürokratische Hürden ab, die unter anderem durch zunehmende Digitalisierung entstehen. Psychische Erkrankungen spielen in der Einrichtung leider eine zentrale Rolle. Im Durchschnitt vergehen sieben Jahre von der ersten Erkrankung bis zur Wohnungslosigkeit, und in dieser Zeit bräuchte es ein starkes Sozialsystem. Angesichts steigender Bedarfe wurde deutlich, dass bestehende Zuschüsse wichtig, jedoch nicht ausreichend sind. Neue und verlässliche Finanzierungswege müssen daher in den Blick genommen werden. Es wurde deutlich, Mittel dürften keinesfalls weiter gekürzt werden sondern müssten vielmehr der steigenden Nachfrage angepasst werden.
Herzlichen Dank für ihre so wichtige Arbeit und den konstruktiven und eindrucksvollen Austausch.

Foto: Andrea Stahl, Pauline Grammer
Text: Pauline Grammer