KV Würzburg - Land

Ortstermin der Landkreis-Grünen mit MdEP Martin Häusling im Weinberg bei Randersacker

„Das sind mir die liebsten Ortstermine“, erklärte Martin Häusling (MdEP), agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, im Weinberg bei Randersacker, ein Glas Weißwein von Ethos-Winzer Thomas Schenk in der Hand.

Zwischen alten Reben, wilden Hecken und Magerrasen trafen sich am Samstagvormittag (13.4.) die Landkreis-Grünen um Vorsitzenden Sven Winzenhörlein (Höchberg) und prominent vertreten unter anderem durch Kerstin Celina (Kürnach, MdL), Karen Heußner (Thüngerheim, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag) und Gerhard Müller (Gerbrunn, Bezirksrat).
Die Veranstaltung im Rahmen des Europawahlkamps der Grünen mit Martin Häusling, Ilonka Scheuring, Winzerin aus Margetshöchheim und Mitbegründerin der Winzerinitiative Ethos, Winzermeister Florian Schäfer aus Würzburg und Thomas Schenk, Winzer und Heckenwirt aus Randersacker, sollte eigentlich unter dem Thema „Klimawandel und Weinbau in Unterfranken“ stehen. Zunächst aber boten die jungen Winzer und Winzerinnen den Grünen Gästen eine Kostprobe verschiedener Weißweine an und stellten dabei ihr Konzept des naturnahen und nachhaltigen Weinbaus vor.

Die Initiative Ethos ist ein Zusammenschluss von 13 fränkischen Jungwinzern und Jungwinzerinnen mit dem Ziel des umwelt- und ressourcenschonenden Weinbaus. Dazu gehört zum Beispiel der Erhalt der alten Steillagen, die Förderung von Biodiversität im und um den Weinberg, ein behutsamer, wo immer möglich ökologisch verträglicher Pflanzenschutz genauso wie die Verwendung von Altglas-Flaschen oder die Konzentration auf regionale Sorten und Pflanzen.

Die Bewirtschaftung der alten, steilen Weinberge sei aber ein oft mühsames Unterfangen, erklärt Thomas Schenk. Die Pflege der Weinstöcke und des Bodens (meist in Handarbeit) mache 70% der gesamten Arbeit des Winzers aus, so Schenk. An sehr steilen Hängen mit schräg verlaufenden Rebzeilen unterschreite dies manchmal die Grenze der Wirtschaftlichkeit. Die oft kleinen Betriebe der Ethos-Winzer und -Winzerinnen stöhnen zudem unter der Last der Bürokratie und Verordnungen – nicht zuletzt aus Brüssel.

So musste sich Martin Häusler kritische Nachfragen gefallen lassen: „Wann kommt die Zulassung der wesentlich verträglicheren und gleichzeitig effizienteren Phosphonate für den Pflanzenschutz im Ökoweinbau?“, wollte Florian Schäfer wissen. Häusling verwies auf die Blockade der Italiener und Spanier im EU-Parlament, aber man arbeite daran.

Ilonka Scheuring und Thomas Schenk schilderten eindrücklich Belastungen ihres Arbeitsalltags durch Vorschriften des Arbeitnehmer- und Gesundheitsschutzes, die, wenn auch prinzipiell richtig und sinnvoll, in der konkreten Auswirkung dennoch oft kaum umsetzbar seien: Arbeit in der Steillage mit Stahlkappen-verstärkten Sicherheitsschuhen, Pflanzenschutz an feucht-heißen Sommertagen im Ganzkörperschutzanzug? Thomas Schenk denke manchmal ans Aufgeben.

Ebenso belastend: Die EU-Düngeverordnung. Ein Winzer sehe genau, was seine Reben brauchen, so Florian Schäfer. Täglich im Weinberg, immer nah dran an seinen Gewächsen brauche er keine im Labor analysierte Bodenprobe, um den Stickstoffbedarf seiner Weinberge zu erkennen. Aber Vorschrift ist Vorschrift und deren Einhaltung kostet Zeit und Geld.

„Regeln dürfen ruhig ambitioniert sein“, findet Thomas Schenk. „Aber sie müssen so gestaltet sein, dass man sie auch einhalten kann.“ Die Alternative? Die Einstellung des Betriebs, sagt Schenk. Seinen Kindern könne er den Weinbau unter diesen Umständen kaum empfehlen.

Das war schon eine deutliche Kritik an der Arbeit der Brüsseler Behörden und Martin Häusling zeigte durchaus Verständnis für die Anliegen der Weinbauern.

Die Unterstützung der lokalen Weinproduzenten liegt den Landkreis-Grünen am Herzen - schon im Sinne der Nachhaltigkeit, darüber herrschte Einigkeit unter den Anwesenden. In Zeiten zunehmender Trockenheit und steigender Temperaturen kommen auf die Winzer und Winzerinnen in Unterfranken jedoch zusätzlich Veränderungen und weitere Belastungen zu.

Natürlich wird er Klimawandel Folgen haben für den Weinbau in der Region, so Ilonka Scheuring. Hauptproblem sind dabei die geringen Niederschläge. „Wir sind sowieso ein niederschlagsarmer Landstrich, aber in letzter Zeit bleibt der ohnehin wenige Regen häufig ganz aus.“ Das belaste die Winzer gerade bei Neupflanzungen.
Der Klimaschutz, eines der zentralen grünen Anliegen auch auf europäischer Ebene, erhält damit eine ganz konkrete Bedeutung für die Region, für eine Jahrhunderte alte Kulturlandschaft, für ein Identifikationsprodukt Unterfrankens. „Ein Grund mehr für unser Engagement“, so Sven Winzenhörlein zum Abschluss dieser gelungenen und eindrücklichen Veranstaltung.

 

/Pressemitteilung


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