KV Würzburg - Land

GRÜNE Podiumsdiskussion in Gerbrunn zum Thema „Bildung“

„Wir Schüler stellen fest: wir gehen um 8.00 Uhr in die Schule und um 13.00 Uhr nach Hause und dann fängt das Leben an. Aber Schule muss so konzipiert sein dass das Leben IN der Schule stattfindet!“ Mit diesen Worten brachte Clara-Elisa Bracker 15 Jahre alt Schülerin des Siebold-Gymnasiums und nebenbei Vorstand der LandesschülerInnenvereinigung ihr Unbehagen an dem heutigen bayerischen Schulsystem treffend zum Ausdruck. Die Schulen heute haben die unterschiedlichsten Aufgaben: sie sollen Bildung und soziale Kompetenzen vermitteln sie sollen jeden Schüler so gut wie möglich fördern sie sollen bei der Berufswahl unterstützen und aussagefähige Beurteilungen über die Leistungen ihrer Schüler erstellen. 

Wie man diese Aufgaben am besten erfüllen könne wurde auf einer Veranstaltung der GRÜNEN zum Thema Bildung intensiv und leidenschaftlich diskutiert. Als Teilnehmer der Diskussion stellten sich neben Clara-Elisa Bracker der schulpolitische Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion Thomas Gehring der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Unterfranken Walter Feineis und der Abteilungsleiter für Schulpolitik beim BLLV Steve Bauer zur Verfügung moderiert wurde die Veranstaltung von der GRÜNEN Kreisrätin Eva Pumpurs.

Einigkeit herrschte darüber dass Schüler frühzeitig individuell gefördert werden müssten und dass eine längere gemeinsame Schulzeit für die Schüler von Vorteil wäre denn „Schüler lernen am meisten von anderen Schülern“ betonte Feineis und erklärte er können nicht nachvollziehen warum die bayerische Staatsregierung jahrgangsgemischte Klassen in der Grundschule mit dem Argument fördere inhomogene Gruppen führten zu einem höheren Lernerfolg aber gleichzeitig an der Trennung der Schüler nach der vierten Klasse festhalte. Für ein kostenloses erstes Kindergartenjahr setzte sich Gehring ein mit den Worten „Förderung im Kindergarten muss so früh wie möglich angeboten werden daher macht ein kostenloses Kindergartenjahr vor allem zu Beginn der Kindergartenzeit Sinn“ und betonte die Einrichtung eines kostenloses Kindergartenjahres stehe zwar im Koalitionsvertrag der bayerischen Regierung von einer Umsetzung sei man jedoch noch weit entfernt.

Der Vertreter des BLLV Bauer erläuterte ausführlich am Beispiel der Studienergebnisse von Falko Peschel wie individuelle Förderung der Schüler in einem offenen Unterricht konkret aussehen könne und legte Wert auf die Feststellung dass bei einer längeren gemeinsamen Schulzeit die heutigen Hauptschüler nicht nur Nutznießer wären sondern auch viele Kenntnisse und Fähigkeiten zum Nutzen der anderen Schüler aktiv einbringen würden. Deutlich waren die Worte die die Sprecherin der LandesschülerInnenvereinigung abschließend fand: „Das dreigliedrige Schulsystem zementiert den Erhalt der Ständegesellschaft“. Dennoch könnten Verbesserungen am Schulsystem nur sehr behutsam und mit den Eltern und Kommunen vorgenommen werde fasste Gehring zusammen denn sonst bestehe die Gefahr dass sich parallel zum öffentlichen Schulsystem teure Privatschulen entwickelten und zu einer Zwei-Klassen-Schulgesellschaft führen würden.

Mehr Freiheiten für Lehrer weniger stark reglementierter Unterricht und damit auch Entlastung der Schulen von Bürokratie das sei aber auch kurzfristig umzusetzen forderte Feineis und verglich den in mindestens sechs Schulstunden und damit ebenso viele Fächer unterteilten Schulunterricht mit moderner Erwachsenenbildung: „In der Erwachsenenbildung würde niemand auf die Idee kommen einen Seminartag so zu gestalten. In der Bildung unserer Kinder sollten wir hier auch schleunigst moderne Erkenntnisse aus der Bildungsforschung in den Schulalltag implementieren“.

Nachdem sich die Zahl der Hauptschulen aufgrund des Schülerschwundes im Landkreis Würzburg in den nächsten Jahren weiter verringern wird ist es für Bauer und Gehring daher ein längst überfälliger nächster Schritt das starre System aufzubrechen damit in der Region über die geeignete Schulform verantwortlich entschieden werden könne. Nur so ließen sich Schulstandorte noch erhalten waren sich die Teilnehmer der Diskussion abschließend einig.


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