KV Würzburg - Land

GRÜNEN-Abgeordnete Gisela Sengl und Kerstin Celina plädieren für Grüne Landwirtschaft

Laut Weltagrarbericht zu Bodenfruchtbarkeit und Erosion gehen etwa 970 Millionen Tonnen frucht¬barer Boden in der Europäischen Union jedes Jahr durch Wassererosion verloren – genug Erde um die gesamte Stadt Berlin einen Meter anzuheben. Mehrere Tonnen Boden gingen letztes Jahr im Mai als Schlammlawinen auf Goßmannsdorf Darstadt Winterhausen Eßfeld und Ochsenfurt hernieder. Die Überschwemmungsschäden sind noch lange nicht alle beseitigt obwohl schon viel getan wurde.

Genau ein Jahr nach dem Starkregenereignis im Mai 2016 lud sich der Grüne Ortsverband Ochsenfurt Fachleute aus dem Landtag ein um zu diskutieren wie eine Wiederholung solcher Katastrophen zu verhindern sei. Gisela Sengl agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag ist gelernte Landschaftsgärtnerin und aktive Biobäuerin und kennt sich im Thema bestens aus.

Zusammen mit der Landtagsabgeordneten Kerstin Celina weiteren Kreis- und Stadträten sowie einigen regionalen Biolandwirten schaute sich Sengl beim Ortstermin auf den Äckern hoch über Goßmannsdorf beispielhaft den Zustand der Böden an. Die Biologin und Ortskennerin Dr. Iris Eisenmann-Tappe hatte den Bereich am Ende der Straße Zum Geier als Treffpunkt gewählt.

Anhand der ausgeräumten Landschaftsform und nackten Böden konnte sich die interessierte Gruppe vorstellen wie der ungeschützte Boden in der nahen Klinge durch ungebremste Erosion verschwand. Der engagierte Bodenforscher und Biobauer Martin Primbs zählte hier auf einem Quadratmeter Acker¬boden oberflächlich nur 3 Regenwurmlöcher: „Auf gesunden gut durchlüfteten Böden finden sich normalerweise um die 30 Regenwurmlöcher. Die Wurmröhren reichen je nach Bodentyp bis über 2 Meter tief und drainieren große Wassermengen nach unten. Auch 10 Jahre alte Wurmröhren die nicht mehr bewohnt sind helfen heute noch bei der Ableitung von Starkregen.“ Verdichtete humusarme Böden wie wir sie hier in der Region häufig finden verschlämmten dagegen bei Regen sofort der Boden werde glatt wie Beton und nehme kein Wasser mehr auf Wasser und Schlamm flössen sturzartig ab weiß der versierte Bodenpraktiker Primbs.

Als Einleitung zum anschließenden Vortragsabend im Mainärztehaus zeigte Eisenmann-Tappe anhand  eindrucksvoller Fotos aus dem vergangenen Jahr dass junge Ackerpflanzen bis in den späten Frühling hinein viel zu klein sind und der Ackerboden dazwischen zu kahl ist um das Abschwemmen von Erde bei Regenereignissen aufhalten zu können. „Hätten wir mehr Ackerrandstreifen und mehr Hecken die insbesondere große abschüssige Flächen unterbrechen würden oder würden die Äcker mit dem Stroh gemulcht das nach der Ernte übrig bleibt könnte das Wasser besser versickern und die wertvolle Erde würde nicht mit den Regenmassen ins Maintal gerissen werden“ erläuterte Eisenmann-Tappe seit einem Jahr erste Vorsitzende der Ochsenfurter Grünen.

Sengl kannte derartige Zusammenhänge aus Rottal am Inn. Bei allem Verständnis für die Nöte der Landwirte die in Produktivitätssteigerungen oft ihre einzige Chance zur eigenen Existenzsicherung sähen stünden aber auch sie in der Pflicht Böden nicht weiter zu übernutzen sagte sie. „Landwirtschaft die nicht nachhaltig ist kostet uns langfristig mehr“ erläuterte Sengl und ging näher auf das Thema Bodenschutz ein.

Seit Langem bekannte nachhaltige Anbautechniken wie zum Beispiel die Mulchsaat sollten deshalb wieder mehr im Fokus der Fördermöglichkeiten stehen. Viele Böden seien durch die Befahrung mit zu schweren Maschinen auf feuchten Böden großflächig verdichtet. Die Rückkehr zu kleineren Maschinen mit schmaleren Reifen und die Befahrung bei passendem Wetter sei ein Schritt in die richtige Richtung. Auch sollten kleine Betriebe unter 50 Hektar durch Förderung gestärkt werden. Und besonders in Ausbildung und Beratung sollten Grundbegriffe und Maßnahmen für nachhaltige Landwirtschaft vermittelt werden. Das alles trage zum Bodenschutz bei.

Menschen seien heute oft entfremdet von der Landwirtschaft. So denken viele beim Begriff Artenvielfalt an Säugetiere oder Vögel aber nur selten an Bodenlebewesen von denen es viel mehr als nur Regenwürmer gibt. Die Bodenflora wie Pilze Algen Bakterien Flechten macht ca. 80 % der Bodenlebewesen aus während die Bodenfauna wie Milben Würmer Springschwänze Asseln Spinnen Käfer Mäuse usw. sich die restlichen 20 % teilen. Gesunder Boden enthalte bis zu 10 Tonnen Bodenlebewesen pro Hektar Land.

Landwirtschaft und Ernährung müssten immer zusammen gesehen werden und an Schulen als Pflichtfach gelehrt werden fordern Sengl und Celina. Dafür müssten allerdings die Lehrer/innen und Hauswirtschafter/innen entsprechend fortgebildet werden. Ein guter Weg dorthin könne sein einen Bauernhoferlebnistag einzuführen so wie der Walderlebnistag für Schüler schon verpflichtend sei. Eine weitere Möglichkeit sei dass Schüler wochenweise in der Schulküche helfen müssten. Außerdem sollten überhaupt mehr regionale und Biolebensmittel in Schulen und Kantinen eingesetzt werden um Märkte zu schaffen.

Bei den Berichten über die Starkregenkatastrophen wurden bisher die Ursachen kaum angesprochen sondern vor allem die Auswirkungen gezeigt. Die Grünen möchten mit den Landwirten – ökologisch oder konventionell – ins Gespräch kommen und gemeinsam die Ursachen bekämpfen.

Auch Martin Heilig der gemeinsame Grüne Bundestagskandidat für den Wahlkreis Würzburg möchte sich für eine nachhaltige grüne Landwirtschaft auf Bundesebene einsetzen und warb für die Unterstützung der GRÜNEN bei der Bundestagswahl am 24. September.


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