KV Würzburg - Land


In der morgendlichen Kühle des Samstags machten sich einige Rottendorfer auf den Weg nach Randersacker. Sie waren der Einladung

der örtlichen Grünen, repräsentiert durch die Vorsitzende und Gemeinderätin Anke Schneider, gefolgt, die gemeinsam mit dem noch taufrischen Ortsverein Gerbrunn/Theilheim/Randersacker zu einer vielversprechenden Führung einluden.

Steehawer Museum

Kurz vor elf stieß die erlesene Schar zu den Interessierten aus den Nachbarorten, die sich bereits im Steinhauermuseum zusammenfanden. Florens Eckert, Randersackerer Neubürger und im frischen Ortsverein aktiv, hatte Zunftmeister Ralf Kuhn gewinnen können, der anhand von Modellen und originalen Werkzeugen erläuterte, wie in alter Zeit die „Steehawer“ gearbeitet haben. Körperlich hart, aber lang nicht so gefährlich, wie es zunächst den Anschein hat.

Da war zu erfahren, dass die alte Mainbrücke, die 1133 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, auch aus Randersackerer Quadern erbaut ist. So alt sind die Steinbrüche mindestens. Vermutlich älter. Hier findet sich der Muschelkalk von der Natur bereits in handliche bis tonnenschwere Blöcke vorgeformt, was den Steinmetzen die Arbeit ungemein erleichtert hat.

Den Versammelten wurde demonstriert, wie man ohne großen Kraftaufwand Felsblöcke spalten kann. Am Modell wird der Abtransport thematisiert, der der gefährlichste Teil der Arbeit war, weil manchmal die schwer beladenen Wagen außer Kontrolle gerieten. Sogar ohne Baustelle auf der A3… Im Wald liegen noch die steinernen Zeugen der Unglücke.

Fränggische Gschichtli

Der Vortrag ist weder trocken, noch langweilig, was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass man jederzeit das Feuer spürt, mit dem der Meister für die Sache brennt. Außerdem würzt er die nüchternen Fakten mit berauschenden und berauschten Geschichten im besten Ranzaggerer Fränggisch. Beispielsweise der vom alten Röder, der am Samstag abweichend von der Gewohnheit die Lohntüte seiner Frau auf den Tisch legt und statt in die Wirtschaft ins Bett geht, wo er verstirbt. Als der Bestatter ihn mitnehmen will, bittet die Witwe, ihn ihr bis Montag zu lassen, damit er wenigstens ein Wochenende daheim ist.

Vom Äquator ins Frankenland

Die Geologie darf nicht fehlen. Natürlich ist der Muschelkalk nicht entstanden, weil emsige Mainfranken im Urlaub an der See Muscheln gesammelt und in den Vorgarten gelegt haben. Vielmehr befand sich darüber ein Meer, manchmal eine Lagune oder grad der Strand. Die Sedimente, die heruntergefallen sind, haben sich zu Steinen verdichtet. Dann ist die Landmasse vom Äquator in den Norden gewandert, die Plattentektonik hat nicht nur die Alpen aufgefaltet, sondern auch die Schichten aus Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein gekippt und zerbrochen.

Das konnte man dann später vor Ort im historischen Steinbruch alles bestens sehen: die Schichten, manche bröselig, andere steinhart. Und die Sprünge im Muschelkalk, alle fein säuberlich in Nord-Süd- oder Ost-West-Richtung. Man musste die Steine „nur“ noch „ernten“. Es liegen auch noch jede Menge davon unter der Erde. Leider konnten nicht alle den originalen Schauplatz bestaunen, Petra Ruoß etwa wurde von anderen grünen Pflichten mit Beschlag belegt.

Landschaftsschutz gegen das Aussterben

Auf dem Weg zum Steinbruch wurden die Teilnehmer von Christiane Brandt vom Landschaftspflegeverband auf allerlei Pflanzen hingewiesen, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen existieren können. Zu ihnen gesellen sich gewisse Tiere, die sich optimal an diesen Lebensraum angepasst haben. In den Steinbrüchen ist es recht karg, deswegen findet man dort den genügsamen Mauerpfeffer. Den Wanderern begegnet hier auch eine blauflüglige Ödlandschrecke, sie steht auf der Roten Liste. Anders als Flip, der Grashüpfer.

Das große Problem mit den Steinbrüchen ist, dass sie verbuschen, wenn man nichts dagegen tut. Sie liegen lange schon still, die Vegetation hat also alle Chancen. Doch dann würde eine einmalige Kulturlandschaft mit Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren, die über Jahrhunderte hinweg entstanden sind, einfach unwiederbringlich von der Erde verschwinden.

Um das zu verhindern, gibt es in Randersacker ein Beweidungsprojekt. Ziegen halten das Grünzeug kurz, ohne es auszurotten. Leider lohnt sich das für den Tierhalter finanziell so gar nicht. Zum Glück hat er ein Faible dafür. Hier wurde die Veranstaltung dann eindeutig grün, denn an dieser Stelle sollte Politik steuernd und somit helfend eingreifen, um die Vielfalt zu erhalten, statt in der Einfalt zu verarmen.

Resümee

Wer teilgenommen hat, hat nicht nur seinen Körper gesund an der frischen Luft bei schönstem Sonnenschein bewegt, sondern auch Gehirn und Herz. All die vielen Informationen waren ungemein lehrreich, die Leidenschaft der beiden Fachleute hat emotional mitgerissen. Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass alle sehr bereichert wurden. Ein solcher Ausflug kann allen nur wärmstens zur Nachahmung weiterempfohlen werden.

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