KV Würzburg - Land

Alle Jahre wieder im Februar pilgern Grüne und andere Gewächse nach Randersacker. So machte sich auch auf Josef aus Rottendorf – gemeinsam mit einer unerschrockenen Gruppe. Verheißungsvoll lockten die bestellten halben Knusperenten. Die Erfahrenen unter den Wandersleuten hatten diese aus den Vorjahren in bester Erinnerung und sie wässerten schon immer ihren Mund.

Doch zuvor waren allerlei Hindernisse zu überwinden. Gut, zugegeben, nicht gerade Braveheart Battle. Aber die Teilnehmer waren sämtlich nicht mehr ganz Anfang zwanzig. Dennoch nahmen einige den kurzen, aber knackigen Anstieg durchs Ameisenholz mit Bravour, andere praktizierten dabei eher gekonnte Entschleunigung, die jedes Selbstfindungsseminars würdig gewesen wäre.

Vom Winde verweht

Sowie man aus dem Wald heraustrat, ergriff der Wind die Kleidung und blähte sie. (Gute Ausrede, wenn der Bauch vom Waschbrett nur noch träumt!) Die tapfere Schar wurde über die freiliegenden Felder geweht – nicht nur als Rückzugsort für kleine Säugetiere und Vögel wären Hecken erfreulich, sie würden an solchen Sturmtagen auch den Wind brechen.

Endlich bot Gut Gieshügel einigermaßen Schutz vor der geballten Kraft der Natur. Das nutzte man für eine zünftige Pause und delektierte sich an hausgemachtem Calvados aus der Normandie. Allein der satte Apfelgeruch gab spontan verbrauchte Energie zurück. Derweil erfreute sich das Herz an den sprießenden Weidenkätzchen, die vom nahen Frühjahr kündeten. Die Sehnsucht nach Grün ist am Ende des Winters ja immer groß.

Oben auf dem Kamm trieb der Wind Regentropfen vor sich her. Er blies gnadenlos durch die doppelte Schicht Jacken und zeigte den einherschreitenden Kronen der Schöpfung, wer wirklich über Gewalten verfügt. Endlich einmal gründlich durchgelüftet wandte man sich talwärts, einen Umweg in Kauf nehmend, da man sonst über Wege aus unterfränkischem Lössboden hätte glitschen müssen. Dann wäre es am Ende doch noch Braveheart Battle geworden. Oder man wäre dank der Stollen unter den Schuhen über sich hinausgewachsen und hätte den Weg gefährlich wankend im Winde fortgesetzt.

Unterwasserwanderung

Auf dem letzten Stück geriet man dann in eine Phase, in der die ausgetrockneten Grundwasserbestände ausgiebig gefüllt wurden. Während die Regenhosen ihren Namen verdienten und dicht hielten, erwiesen sich fast alle Jacken als Flop. Irgendwie sah frau bei der Ankunft im Schmachtenberger aus, als hätte sie die Ente eigenhändig aus dem Main gezerrt. Einige Frisuren erinnerten auch eher an den klassischen Wischmopp und zwar triefend nach dem Aufwischen des Fußbodens.

In der gemütlichen warmen Gaststube gesellte man sich zu den zahlreich vorhandenen Grünen aus allerlei Nachbarorten: Gerbrunn, Theilheim, Ochsenfurt, Randersacker, Eibelstadt… Langsam trockneten Wischmopp und Pullover und bei gutem Frankenwein und göttlichen Knusperenten war man bester Dinge. Unter angeregten Gesprächen verflog die Zeit im Nu.

Sonnenschein hätte den Weg vermutlich leichter gemacht, aber dann hätte man Langweiligeres zu berichten. Irgendwie hat es ja auch was, mal nicht Komfortzone, sondern das Leben richtig spüren. Kalt und nass im Gesicht, aber so realistisch, wie es nur sein kann. Da fühlt man sich selbst und seine Umgebung, vor allem fühlt man sich absolut lebendig. Unverdrossen nächstes Jahr wieder!


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